Lisa aus Hamburg: Von 89 auf 67 Kilo – mit Wegovy und Intervallfasten
Wie eine IT-Projektmanagerin aus Eimsbüttel in 10 Monaten ihr Leben umgekrempelt hat. Erzählt von Julia Meier.
Wie ich Lisa kennengelernt habe
Lisa war eine meiner ersten Wegovy-Klientinnen. Sie kam im Sommer 2024 in meine Beratung — 89 Kilo, BMI 31,2, frustriert nach drei gescheiterten Diäten. 10 Monate später wiegt sie 67 Kilo und läuft dreimal die Woche 5 Kilometer. Aber der Weg dahin war alles andere als geradlinig.
Lisa ist 34, IT-Projektmanagerin bei einem mittelgroßen Hamburger Softwareunternehmen. Sitzender Job, 9 bis 10 Stunden am Rechner, Meetings über Meetings. Wer in der Tech-Branche arbeitet, kennt das: Mittagessen ist oft ein belegtes Broetchen am Schreibtisch. Abends dann Ausgleich-Essen, weil der Tag stressig war.
Was mich bei Lisa aber wirklich aufhorchen liess: Es gab einen konkreten Ausloeser. Eine Trennung im Fruehjahr 2024, nach fünf Jahren Beziehung. Und danach — emotionales Essen. Jeden Abend. Chips, Schokolade, Pizza bestellen, alleine auf der Couch. In drei Monaten von 78 auf 89 Kilo. Das sind 11 Kilo in 12 Wochen.
Der Start mit Wegovy — und warum Lisa parallel gefastet hat
Das Rezept für Wegovy hatte Lisa über ihre Hausärztin in Eimsbuettel bekommen. BMI über 30, vorherige Abnehmversuche dokumentiert, keine Kontraindikationen. Kostenpunkt: rund 320 Euro im Monat, komplett aus eigener Tasche. Die Kasse zahlt das nicht.
Das 16:8-Fenster hat Lisa pragmatisch eingerichtet: Essen zwischen 12 und 20 Uhr. Morgens nur schwarzen Kaffee. Das passte zu ihrem Arbeitsrhythmus, weil sie sowieso nie vor 10 Uhr Hunger hatte. Der Unterschied jetzt: Sie liess das Fruehstück nicht aus Zeitmangel ausfallen, sondern bewusst.
Die ersten Wochen: nicht alles rosig
Ich will hier nichts beschönigen. Woche 3 und 4 waren hart. Lisa schrieb mir morgens um halb sieben eine Nachricht: „Mir ist so schlecht, dass ich gestern Abend nur Salzstangen essen konnte.“
Die Übelkeit kam schubweise. Morgens am schlimmsten, gegen Nachmittag besser. Dazu Sodbrennen — das hatte Lisa vorher nie gehabt. Und eine bleischwere Muedigkeit, die sie nicht zuordnen konnte. Alles typische Wegovy-Nebenwirkungen in der Eindosierungsphase. Ich hab ihr geraten, die Injektion auf Freitagabend zu verlegen. Dann sind die schlimmsten Tage am Wochenende, nicht waehrend wichtiger Kundenpraesantationen.
Der Wendepunkt: Lisa faengt an zu kochen
Monat 3 war der Punkt, an dem sich alles drehte. Lisa hatte zu dem Zeitpunkt 9 Kilo abgenommen, von 89 auf 80. Die Waage bewegte sich zuverlässig, das Intervallfasten lief routiniert. Aber was mich ueberrascht hat: Lisa fing an zu kochen.
Nicht aufwändig. Keine Sterne-Kueche. Sondern einfache Gerichte — Gemuese-Currys, Ofengemuese mit Feta, griechischer Salat mit viel Olivenoel. Sie kaufte sich ein Kochbuch für Meal Prep und kochte Sonntagabend für die ganze Woche vor.
Ehrlich gesagt: Es gab auch Rückschlaege
Monat 5. Lisa rief mich an — das tat sie selten, normalerweise schrieb sie Nachrichten. Sie hatte am Wochenende einen Rückfall gehabt. Freitagabend eine ehemalige Kollegin getroffen, ein paar Glaeser Wein, und dann: Doener mit allem, Ben & Jerry's auf der Couch, die ganze Packung. Samstag dasselbe Muster.
Sie schaemte sich. Das hoere ich oft. Als haette man versagt, weil man an einem Wochenende über die Straenge geschlagen hat. Was für ein Unsinn eigentlich.
Dann kam etwas anderes dazu, das Lisa nicht erwartet hatte. Kommentare aus dem Umfeld. Zuerst positiv: „Du siehst ja toll aus!“, „Was hast du gemacht?“. Aber ab Kilo 15 kippte der Ton bei manchen.
Das ist ein Phaenomen, über das zu wenig gesprochen wird. Der soziale Druck beim Abnehmen kommt nicht nur von aussen. Er kommt auch von den Menschen, die einen lieben. Nicht aus Bosheit, sondern aus Verunsicherung.
Vom Sofa auf die Alster: Wie Lisa zum Laufen kam
Monat 6. Lisa wog 75 Kilo und fühlte sich zum ersten Mal seit Jahren leicht genug, um sich zu bewegen. Nicht leicht im Sinne von Gewicht, sondern — sie beschrieb es als „mein Körper fühlt sich nicht mehr wie ein Gegner an“.
Sie fing mit Spaziergaengen an. Jeden Abend 30 Minuten an der Alster. Dann 45 Minuten. Dann fing sie an, kurze Stücke zu joggen. 2 Minuten laufen, 3 Minuten gehen. Das klassische Walk-Run-Intervall, das ich allen Anfängerinnen empfehle.
- Monat 6: 30 Min. Spaziergaenge, 3x/Woche an der Alster
- Monat 7: Walk-Run-Intervalle (2 Min. laufen, 3 Min. gehen)
- Monat 8: 15 Minuten am Stueck laufen, 2x/Woche
- Monat 9: Erste 5K ohne Pause (37 Minuten)
- Monat 10: 3x/Woche 5K, beste Zeit: 31 Minuten
Die Zahlen — weil Transparenz wichtig ist
22 Kilo in 10 Monaten. Das sind im Schnitt 2,2 Kilo pro Monat. Klingt nicht spektakulaer? Gut. Denn spektakulaer wäre verdaechtig. Die ersten 9 Kilo kamen hauptsaechlich durch Wegovy in den Monaten 1 bis 3. Die restlichen 13 Kilo waren eine Mischung aus Intervallfasten, veränderter Ernährung und Bewegung.
Lisa nimmt aktuell eine reduzierte Erhaltungsdosis Wegovy weiter. Ob sie irgendwann ganz absetzt — das werden wir sehen. Die Daten zum Rebound nach dem Absetzen sind nicht berauschend, das muss man ehrlich sagen. Aber Lisa hat etwas, das viele Absetzende nicht haben: gefestigte Gewohnheiten. Das Intervallfasten, das Kochen, das Laufen. Das sind keine Diät-Massnahmen mehr. Das ist ihr Alltag.
Was ich daraus gelernt habe — als Beraterin
Lisas Geschichte ist kein Beweis dafür, dass Wegovy plus Intervallfasten bei jedem funktioniert. Das wäre unseriös. Es ist ein Erfahrungsbericht, nicht mehr, nicht weniger. Was mich als Beraterin aber bestaetigt hat: Die Kombination aus medikamentoeser Unterstützung und Verhaltensänderung kann ausserordentlich wirksam sein. Vorausgesetzt, beides passiert gleichzeitig.
Was mich nachdenklich stimmt: Das emotionale Essen. Lisas groesstes Problem war nie das Wissen. Sie wusste theoretisch alles über Kalorienzählen, Makros und gesunde Ernährung. IT-Projektmanagerin halt — strukturiert, analytisch, datengetrieben. Aber Emotionen halten sich nicht an Spreadsheets.
Häufige Fragen zu Lisas Erfahrungsbericht
Lisa hat in 10 Monaten 22 Kilogramm abgenommen: von 89 kg auf 67 kg. Ihr BMI sank von 31,2 auf 23,5. Die Kombination aus Wegovy (wöchentliche Injektion) und Intervallfasten 16:8 war entscheidend. Allein durch Wegovy hatte sie in den ersten 3 Monaten 9 Kilo verloren, die restlichen 13 Kilo kamen durch die Ernährungsumstellung und mehr Bewegung.
Ja, die Kombination ist möglich und kann die Ergebnisse verstärken. Wegovy reduziert den Appetit, waehrend Intervallfasten 16:8 das Essensfenster einschraenkt. Wichtig: Die Kombination sollte ärztlich begleitet werden, da Wegovy den Appetit bereits stark senkt und in der Fastenphase die Kalorienzufuhr nicht zu niedrig werden darf. Lisa hat die Kombination von Anfang an gemacht, allerdings unter Aufsicht ihrer Ernährungsberaterin.
Lisa hatte in den Wochen 3 und 4 die stärksten Nebenwirkungen: Übelkeit nach dem Aufstehen, gelegentliches Sodbrennen und Muedigkeit. Ab Woche 6 liessen die Beschwerden deutlich nach. Ihr Tipp: Die Injektion auf Freitagabend verlegen, damit die intensivsten Nebenwirkungen aufs Wochenende fallen und nicht in den Arbeitsalltag.
Stand März 2026 nimmt Lisa Wegovy in reduzierter Erhaltungsdosis weiter. Sie hält ihr Gewicht von 67 kg seit 4 Monaten stabil. Das Intervallfasten und die regelmäßige Bewegung (3x pro Woche 5K-Laeufe) haben ihre Gewohnheiten nachhaltig verändert. Ob ein komplettes Absetzen ohne Gewichtszunahme möglich ist, wird sich zeigen — die allgemeine Datenlage zeigt, dass viele Patienten ohne begleitende Verhaltensänderung nach dem Absetzen wieder zunehmen.